Die 100 besten Romane aller Zeiten: Eine provokante Liste
Die Guardian-Liste der 100 besten Romane gibt Anlass zur Diskussion. Während einige Werke unbestritten sind, bleibt die Frage, ob jede Wahl gerechtfertigt ist.
Im Stil einer Geschmacksprobe präsentiert der Guardian seine Liste der 100 besten Romane aller Zeiten.
Man fragt sich, ob dies wirklich das Maß aller Dinge ist oder eher ein amouröser Blick auf die Literaturgeschichte, der sich mit den Eigenheiten der Publikumsmeinungen vermischt. Natürlich gibt es einige Namen, die auf jeder Liste stehen sollten – Jane Austen und Leo Tolstoi beispielsweise sind kaum von ihrer Position zu verdrängen. Doch wie so oft bleibt die Auswahl subjektiv und weckt mehr Fragen als Antworten.
Die Liste wird von einigen gefeiert und von anderen als elitäre Zusammenstellung verurteilt. Während die alten Klassiker auf den ersten Blick die Oberhand gewinnen, drängt sich die Frage auf, wie aktuelle Stimmen, etwa von zeitgenössischen Autoren aus aller Welt, in eine solche Auswahl integriert werden können. Ist es nicht merkwürdig, dass die modernen Stimmen oft im Schatten der großen Klassiker stehen? Vielleicht wird es Zeit, die Auswahlkriterien zu überdenken und die Diversität nicht nur in den Themen, sondern auch in den Stimmen zu würdigen, die die Literatur prägen. Wer mag, kann sich über die Liste amüsieren, anderen ist sie vielleicht einfach zu mächtig.
Die Aufregung über die Auswahl verdeutlicht jedoch eines: Literatur hat die Fähigkeit, Debatten zu entfachen, und das ist an sich bereits ein Zeichen von Relevanz. In einer Zeit, in der das Lesen oft als altmodisch gilt, könnte diese Liste als Anstoß dienen, sich wieder den großen Erzählungen zu widmen. Und das ist schließlich nichts Schlechtes.